Es duftet nach frischem Brot, die ersten Laibe kommen aus dem Ofen und rundherum wird probiert, erzählt und gefachsimpelt: Das Schaubacken am Lehmmuseum Gnevsdorf ist längst zu einer kleinen Tradition geworden.
Gebacken wird in einem Lehmbackofen nach historischem Vorbild. Sein Bau geht auf die archäologische Untersuchung eines alten Backofens in Wangelin zurück. Nach den Grabungsbefunden und mithilfe historischer Fachliteratur wurde die alte Bauweise wieder aufgegriffen.
Und auch das Backen selbst braucht Erfahrung. Schon am frühen Morgen wird der Ofen angeheizt. Wann die richtige Temperatur erreicht ist, lässt sich nicht einfach an einem Regler ablesen. Erst wenn Ofen und Glut stimmen, kommen die Brote hinein – zuerst die Sauerteigbrote, die die größte Hitze brauchen, später Kuchen und andere Backwaren.
Seit vielen Jahren gehört Dorothee Weckmüller zu diesen Backtagen. Sie bereitet den Brotteig vor, kümmert sich um den Ofen und die Brote aus Roggen- und Dinkelsauerteig. Wer möchte, kann auch eigenen Teig mitbringen. Und was aus dem Ofen kommt, findet meist schnell Abnehmerinnen und Abnehmer.
Beim letzten Schaubacken der Saison am 24. September gab es nun einen besonderen Moment: Dorothee Weckmüller übergibt ihre Aufgabe an Sandra Schattschneider aus Gnevsdorf. Sie übernimmt künftig das regelmäßige Backen im Lehmofen und führt damit eine Tradition weiter, die vom Wissen und der Erfahrung der Menschen lebt, die sie praktizieren.
Denn früher war gemeinsames Backen selbstverständlicher Bestandteil des Dorflebens. Ein großer Backofen ermöglichte es, viele Brote auf einmal zu backen und damit auch größere Familien zu versorgen. Heute bringt das Backen vor allem Menschen zusammen: Menschen aus der Umgebung ebenso wie Gäste und Urlauberinnen und Urlauber.
Beim monatlichen Schaubacken kommen immer wieder besondere Rezepte und Themen hinzu – unterschiedliche Teige, regionale Backwaren und Spezialitäten. Dazu gehört auch die beliebte Kräuterbutter von Ulrike aus Karrenzin mit einer Vielfalt frischer Kräuter aus ihrem Garten.
So wird mit dem Stabwechsel nicht einfach eine Aufgabe weitergegeben, sondern auch Wissen: über Sauerteig und Feuer, über den richtigen Zeitpunkt zum Einschieben der Brote und über das Backen in einem traditionellen Lehmofen.
Und am Ende zeigt sich vielleicht die schönste Seite dieser alten Technik ganz unmittelbar: Brot aus dem Lehmbackofen schmeckt einfach besonders gut.
Wer Lust bekommen hat, selbst ein Stück dieser lebendigen Geschichte mitzutragen: Ehrenamtliche Unterstützung ist im und rund um das Lehmmuseum herzlich willkommen – beim Backen ebenso wie bei vielen anderen kleinen und größeren Aufgaben. Wir freuen uns über Menschen, die mitmachen möchten.